Osterküken, eine Erfolgsstory
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Ostern heute: Das bedeutet für Kinder Schoggihasen und Zuckereier.
Ostern früher: Besuch bei der Grossmutter auf dem Bauernhof. Hartgesottene, mit Kräutern
gefärbte Eier. Viel origineller, und sie schmeckten erst noch nach Eier.
Aber unvergesslich: Im Hühnergehege war eine Glucke mit ihren kleinen, flauschigen Küken.
Sie waren erst ein paar Tage alt, und piepsten munter.
Diese Kindheitserinnerung weckte in mir eine Idee. |
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Die Idee
In unserer technisierten Welt kennen die Kinder Geflügel fast nur noch als Chicken-Nuggets oder aus dem Film Chicken Run, das Hennen Rennen.
Wie ein Küken aus dem Ei schlüpft, das sehen sie vielleicht noch am TV. Das Erlebnis, einmal live dabei gewesen zu sein, das wollte ich unseren Museumsbesuchern an Ostern ermöglichen.
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Der Start
Der Anfang war bescheiden und sehr improvisiert. Es war Februar 1982. Ein Kollege lieferte mir die
ersten 12 Bruteier von seinem Freilandhof. Wir hatten Mühe diese Menge zusammen zu bringen.
Es war noch ungewöhnlich kalt für die Jahreszeit und die Hühner legten schlecht.
Das Natur-Museum kaufte einen Sichtbrutkasten. Durch den Plexiglasdeckel sollte dann, wenn alles planmässig funktionierte, vor Ostern das Schlüpfen beobachtet werden können.
Täglich mussten die Eier mehrmals von Hand gewendet werden, eine Automatik war im Brutkasten nicht vorgesehen.
Die Glucke, die das normalerweise macht, hatten wir nicht zur Verfügung, die blieb auf dem Bauernhof. |
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Grosses Staunen
Pünktlich vor Ostern schlüpften dann zur grossen Freude einiger Besucher (und uns selbst), sechs Küken. Eine Woche lang konnten die kleinen Piepmatze von Gross und Klein umsorgt werden. Dann durften sie auf den Bauernhof.
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Die zweite Runde
Die Tatsache dass es funktionierte ermunterte mich. Das Projekt wurde ausgebaut.
12 Bruteier waren erst der Anfang. Im folgenden Jahr waren
es
bereits 40 Stück, geliefert von einer Brutanstalt.
Ein neuer Brutkasten wurde beschafft. "Covatutto", (alle kommen raus), war sein viel versprechender Name. Die Eier wurden jetzt halbautomatisch gewendet, eine Automatik machte das möglich.
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Die Spannung steigt
Einen Tag vor dem Karfreitag wurden die bebrüteten Eier
in den Sichtbrutkasten umgebettet und der "Kükentisch"
in der Ausstellung aufgebaut.
So konnte das Schlüpfen von allen miterlebt werden.
Unser Motto war stets, Natur begreifen. Bei uns kann man
die kleinen Geschöpfe unter kundiger Anleitung auch "behüten" und "begreifen".
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Vom Experiment zum Kult
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Der "Xerox-Effekt"
Nach und nach übernahmen weitere Naturmuseen im In- und Ausland diese Idee. Einige Institute entwickelten das Thema
zu einer ganz grossen und ausgedehnten Sache. Sie erweiterten das Angebot mit Gänsen, Enten oder Hasen.
Das Natur-Museum Luzern blieb bei den Osterküken.
Die Infrastruktur wurde den Besuchermassen angepasst und aus-gebaut.
Wir steigerten die Bruteiermenge auf 150 Stück. Das bedingte einen zusätzlichen grossen Brutkasten der die Eier automatisch wenden konnte.
Urprünglich stand ein "Kükentisch" mit eingebautem Sichtbrut-kasten in der permanenten Zoologieausstellung.
Als der verfüg-bare Platz dort zu knapp wurde, verlegten wir die Osterbibeli in den Ausstellungsraum im Dachgeschoss. Das grössere Platz-angebot ermöglichte uns, zwei weitere Tische aufzustellen.
Seit 2003 ist die Kükenschau jeweils im Sonderausstellungsraum im 1. Stock zu sehen. Hier ist auch genügend Raum für Zusatz-infos.
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Risiko
Kunstbrut ist eine technische Sache. Man ist von
elektrischem Strom und Regelgeräten abhängig. Drei Wochen dauert die Brüterei, Pannen darf es keine geben.
Dass im Fall der Fälle die Erwartungen der Besucher nicht enttäuscht werden, beziehen wir seit einigen Jahren 50-80 fertige Eintagsküken von einer Brutanstalt. So erleben die Besucher "ihre" Küken bereits bei der Eröffnung der Osterausstellung. |
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Der ganz grosse Moment
Ein überdimensionaler Sichtbrutkasten ermöglicht Gross und Klein live zu sehen, wie die Kücken aus dem Ei schlüpfen.
Vermutlich ist es der grösste Sichtbrutkasten der Welt, bis jetzt ist mir jedenfalls noch kein grösserer gemeldet worden.
Damit die Glasscheiben durch die hohe Feuchtigkeit nicht beschlagen, wurde eine zweite Glasabdeckung mit eingebauter Heizung über den innerern Brutkasten gebaut.
Ein Ventilator sorgt im Iinnern des Brutkastens für eine gleich-mässige Temperaturverteilung.
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Technische Daten
| Brutdauer |
21 Tage |
| Temperatur 1.-18. Tag |
37,8°C |
| Temperatur 18.-21. Tag |
37.5°C |
| Feuchte |
55-60% |
| Feuchte beim Schlüpfen |
70% |
| Eier wenden |
3.-18. Tag |
| Brutkasten Covatutto |
40 Eier |
| Brutkasten Miracle |
80 Eier |
| Sichtbrutkasten, Eigenbau |
120 Eier |
| Kükentische mit Wärmelampe |
4 |
| Dauer der Kükenschau |
10 Tage |
| Besucherzahl ca. |
10'000 |
| Grösster Besucher-Erfolg: Ostern 2012 |
14'185 |
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Henne mit Jungen
Auch das gibt es noch. Dass die Besucher sehen, wie es eigentlich natürlich wäre, haben wir in den letzten Jahren in einem Gehege in der Ausstellung auch eine Glucke mit ihren Küken.
So haben die Besucher die Möglichkeit, das Verhalten von Glucke und Küken zu beobachten.
Bei der Massengeflügelproduktion in unserer Gesellschaft sind sie eine Seltenheit. Kunstbrut hat die Naturbrut schon längst verdrängt. Schon vor 1000 Jahren fanden die Chinesen eine Möglichkeit, dieses Geschäft den Hennen abzunehmen. |
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2006... Alarm ---Vogelgrippe H5N1
Im Jahre 2006 war plötzlich alles anders. Vogelgrippe Alarm. Alle Geflügelausstellungen wurden untersagt. Freilandhühner mussten in den Stall. Von allerhöchster Stelle wurde dem Museum das Ostererlebnis untersagt: Keine Küken 2006.
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Die zweite Generation
Zig-tausend zufriedene Kinder und Erwachsene. Wer je gesehen und erlebt hat, wie die Küken meist friedlich in den wärmenden Händen dösen, ist genug motiviert den Riesenaufwand auch an den folgenden Ostern wieder zu organisieren.
Inzwischen kommen die einstigen Kinder als Erwachsene mit ihren eigenen Kindern zu "ihren" Oster-küken.
Eine Erfolgstory, gewachsen aus bescheidenen Anfängen. Früher eine One-Man-Show, heute sind zwei Dutzend Mitarbeiter nötig, um den Ansturm zu meistern. Ohne die zuerst dreiwöchige, pflichtbewusste Arbeit hinter den Kulissen wäre "das grosse Schlüpfen" nicht möglich. In den letzten Jahren von 2000 bis 2006 hat sich unser Präparator René Heim um diese Arbeit mit Erfolg gekümmert. Seit 2007 ist unser Museumstechniker, Rainer Müller, mit dieser sehr veranwortungsvollen Aufgabe betraut. Und er macht das sehr gut!
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