Wunderwelt Insekten "the making of"
|
|
Im Jahre 2002 kaufte das Natur-Museum Luzern die Insektensammlung von Walter Linsenmaier.
Normalerweise werden geschenkte oder angekaufte Sammlungen in die Museums-bestände integriert. Hier handelte es sich um einen Spezialfall.
Die Objekte in
Linsenmaier's Insektensammlung sind eine Augenweide. Die ästhetische Ordnung der Sammlung ist wohl einmalig. Die Perfektion des Künstlers kommt hier voll zum Ausdruck.
Dieses Werk musste der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Es wurde eine Ausstellung geplant.
Linsenmaier Biografie
|
 |
|
Walter Linsenmaier ...
Die Sammlung
- 1'100 Insektenkästen
- 250'000 Insekten
Alles was kreuchte und fleuchte
- Käfer
- Motten
- Fliegen
- Schaben
- Schrecken
- Wespen
- Bienen
- Falter
|
|
|
Bloss kein Insekten-Friedhof
Man hätte den einfachen Weg mit dem 08/15 Konzept wählen können. Kasten an Kasten an die Wand oder auf Tischen "präsentiert". Für Langeweile beim Besucher wäre gesorgt. Schade um das Ausstellungsmaterial. Unbrauchbar!
Mein Gedanke: Nur keine "erschlagende Sammlerauslegung".
Es war natürlich unmöglich, die ganze Sammlung von 1100 Kästen zu zeigen. Eine Essenz von 40 Kästen war schon eine ganze Menge.
Da musste etwas Neues, Besonderes her!
|
|
Gedanken zum Ausstellungskonzept
Die Schwierigkeit war, für diese Menge an Objekten die erste Begeisterung zu erhalten. Die Neugierde und der Sammlertrieb, der einfach in uns steckt, waren die vorhandenen Instinkte die es anzusprechen galt.
Einen Schatz entdecken, geheime Orte ergründen, das packt jeden.
|
|
|
Konzept / Idee
Fünf Raumabschnitte sollten es werden:
-
Als Einstieg in die Ausstellung durchdringt man einen kleinen Tropenwald. Lebende Schmetterlinge fliegen umher.
-
Das Arbeitszimmer des Insektenforschers. Schubladen, Lupen, Binokular und Utensilien wecken das Interesse.
-
Der Hauptteil ist als Banktresor gestaltet, hier wird das Kostbarste und Wertvollste verwahrt. Steril und kühl musste er wirken. Mit einer persönlichen Codekarte lassen sich die Schliessfächer öffnen. Ahh und Ohh sind garantiert!
-
Besonders künstlerische Sammlungskästen hängen als gerahmte Bilder in der königlich-roten Gallery.
-
Ganz am Schluss findet man im Halbdunkel Schatztruhen und geheime Türchen. Hier sind besondere Exemplare aufbewahrt, die es zu entdecken gilt.
|
|
|
Planung
Das Konzept stand. Die Teamarbeit für die Details begann.
Klar war, es wird eine Ausstellung für’s Auge, die Objekte sprachen für sich. Auf Text-erklärungen wurde deshalb fast ganz ver-zichtet.
Der Tresorraum musste genau in den vorhandenen Platz eingeplant werden. Der gesamte Grundriss und die Elemente des Tresorraumes wurden mit dem CAD Programm gezeichnet.
Alles andere war so genannte "rollende Planung". Das verlangt ein optimal harmonierendes Team - gewaschen mit allen Wassern – stressresistent und von der Aufgabe fasziniert. Dieses Team hatten wir. |
 |
|
Treppenhaus
wird Tropenhaus (bis 2008)
Was alles im Konzept vorgesehen war, hatte nie Platz im verfügbaren Raum.
Das Treppenhaus musste für den Tropenwald herhalten.
Die Wände bespannten wir mit flächen-deckenden Urwald-Fotos.
Jede Menge Pflanzen mussten beschafft werden. Besucher-Schleusen stellten sicher, dass alles "Schmetterlingsdicht" war.
Da kein Tageslicht genutzt werden konnte, liefern HQI Strahler das nötige Licht für die Pflanzen.
Drahtkörbe schützen die frei fliegenden Schmetterlinge vor den heissen Lampen.
Die erforderliche Feuchte wird über Nebeldüsen eingesprayt.
|
|
|
Schmetterlinge (bis 2008)
Die Schmetterlinge liefert uns das Papiliorama. Sie werden als Puppen angeliefert und oft kann man dann das Schlüpfen beobachten.
Es handelt sich um tropische Zebrafalter. Diese Art ist relativ einfach zu züchten und zu halten.
Allerdings ist der Winter eine schwierige Phase. Da gibt es oft eine Zeit ohne lebende Falter.
|
 |
|
|
|
Eingang
Eine riesige Tresortüre markiert den Eingang. Gleich danach überwacht eine übergrosse Grille in ihrem Security Häuschen das geschehen.
Hier dachte ich besonders an die kleinen Besucher. Eine so grosse Türe bleibt ihnen als riesige Türe in Erinnerung, und die Super-Grille sowieso.
Der ganze Tresorraum wurde in blau gehalten. Ergänzend Chrom und Glas. Das vermittelt Seriosität und Kühle. So stelle ich mir Tresorräume von Banken vor. Jedenfalls kontrastiert diese Stimmung perfekt zu den in allen Farben und Formen gezeigten Insekten. |
 |
|
Aufbau
Die Holzelemente liessen wir gemäss CAD Zeichnung anfertigen. Der Aufbau begann. Element um Element wurde aneinandergefügt. Bereits in dieser ersten Phase wurde die Beleuchtung integriert. Die Insektenkästen konnten nun platziert werden.
|
 |
|
Schliessfächer
Jetzt kam der Clou der ganzen Präsentation: Die automatischen Türen für die Schliess-fächer.
Ein Kartenleser steuert den Motor. Das Budget war knapp. Aufwändige Elektronik war nicht möglich. Mikroschalter und Dioden mussten genügen.
Steckt man die Karte in den Schlitz, öffnen sich zwei Schiebetüren. Die beiden Türen sind so miteinander verbunden, dass der kleine Elektromotor nur die Reibungskräfte be-wältigen muss. Wie bei einer Standseilbahn. Das System hat sich bewährt. Auch nach einer Viertelmillion Besuchern sind keine nennenswerten Mängel aufgetreten.
|
|
|
Kreditkarten
Nur mit der passenden Codekarte lassen sich die Schliessfächer öffnen. Jeder Besucher kann mit seiner Karte die Fächer öffnen:
die er will,
so lange er will,
so oft er will.
Sein Schliessfach ist für ihn geöffnet. Er hat das Geschehen im Griff, er besimmt wo und wie es weitergeht.
Selbstverständlich ist das Konzept Kindergerecht. Ein Sockel dient als Stufe für die Kleinen.
Vielleicht ist es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie mit ihrer eigenen "Kreditkarte" einen Tresor öffnen. Später wird das dann selbstverständlich.
Die Karte darf man behalten, als Andenken. Die ersten 200'000 Karten wurden von der Raiffeisenbank gesponsert. Vielen Dank! |


|
|
Gallery
Rot.., königliches Rot an den Wänden und edle Goldrahmen. So bekamen die ganz speziellen Sammlungskästen einen würdigen Rahmen. |
 |
|
Misteryroom
In diesem dunklen Raum, nur indirekt be- leuchtet, stehen Schatztruhen.
Es funkelt. Eingebaute Lupen zeigen einzelne Insekten, Wunderschöne, oder Skurrile.
Mit Stoffvorhängen und Fackeln wird die geheimnisvolle Stimmung noch verstärkt.
Kleine Schiebetürchen geben weitere Geheimnisse preis. |


|
|
Prix Expo
Das Konzept wurde von den Besuchern mit höchstem Lob bedacht. Wir registrierten auffällig viele Besucher die mehrmals hintereinander in die Ausstellung kamen. Man könnte sie "Wiederholungstäter" nennen. Offenbar konnte man sich nicht satt sehen.
Der Jury des SANW muss es auch so ergangen sein. Im Jahre 2003 wurde erstmals der "Prix Expo" von der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften für eine Sonderausstellung vergeben. Mit grossem Stolz und riesiger Freude durfte das Macherteam der "Wunderwelt Insekten" diesen mit 10'000 CHF dotierten Preis am 31. Oktober 2003 in Luzern anlässlich einer Feier entgegennehmen.
SANW Prix Expo 2003
Laudatio
|
 |
|
Verlängert bis ???
Geplant war die Schau für sechs Monate. Die Besucher gaben aber bald und sehr klar zum Ausdruck, dass diese Ausstellung nicht so schnell aus dem Angebot verschwinden darf. Sie wurde verlängert… und nochmals verlängert…
Inzwischen wurde aus der Sonderausstellung eine semi- permanente Ausstellung. Das Ende ist noch nicht in Sicht.
Dass bei der Planung und Fertigung etwas höhere Massstäbe als sonst üblich angewendet wurden, machte sich jetzt bezahlt. Auch nach über 350'000 Besuchern hat sie nichts von ihrer Attraktivität eingebüsst. |
 |
|